Nach einem Unfall kommt es darauf an, dass die Rettungskräfte schnellstmöglich zum Unfallort gelangen! Dabei zählt jede Sekunde, denn pro Minute, die die Retter früher eingreifen können, erhöhen sich die Überlebenschancen eines Unfallopfers um bis zu zehn Prozent. Durch eine korrekt gebildete Rettungsgasse können die Einsatzkräfte durchschnittlich vier Minuten sparen – was die Überlebenschancen der Unfallopfer im besten Fall um bis zu 40 Prozent steigert!

Nicht ohne Grund gilt also in Deutschland bereits seit 1982 die Pflicht, eine Rettungsgasse auf Autobahnen und anderen mehrspurigen Straßen zu bilden. Doch längst nicht alle Verkehrsteilnehmer wissen, wie und vor allem in welcher Situation sie korrekt gebildet wird.

Wie bildet man eine Rettungsgasse richtig?

Rettungsgasse bereits bei stockendem Verkehr bilden
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Wenn Sirenen und Blaulicht der Einsatzfahrzeuge nahen, ist es zu spät, eine Rettungsgasse zu bilden! Lassen Sie schon bei den ersten Anzeichen von stockendem Verkehr oder Stau mindestens eine Fahrzeuglänge zu Ihrem Vordermann Platz, und bilden Sie eine Gasse für die Einsatzfahrzeuge. Ansonsten geht überlebenswichtige Zeit verloren. Sobald die Fahrzeuge stehen, ist es beinahe unmöglich, eine geeignete Rettungsgasse zu bilden.

Seitenstreifen höchstens teilweise befahren
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Da der Seitenstreifen nicht überall vollständig ausgebaut und manchmal auch durch liegengebliebene Fahrzeuge blockiert ist, ist er oft nicht als Fahrspur für die Einsatzkräfte geeignet. Laut Straßenverkehrsordnung darf der Seitenstreifen gar nicht befahren werden – Hilfsorganisationen wie der Landesfeuerwehrverband Bayern empfehlen aber, dennoch einen Teil dieses Fahrbahnbereichs zur Bildung der Rettungsgasse zu nutzen. Maximal die Hälfte des eigenen Fahrzeugs darf demnach in den Seitenstreifen ragen, der Seitenstreifen muss allerdings befahrbar bleiben, um seine Sicherheitsfunktion zu erhalten. Gegen das Benutzen des ganzen Seitenstreifens spricht auch, dass dadurch eine komplette Fahrspur frei würde, die nachfolgend eintreffende Verkehrsteilnehmer möglicherweise befahren. Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise wenn der Seitenstreifen durch entsprechende Beschilderung als Ersatzfahrspur freigegeben ist, darf er auch komplett benutzt werden.

Autobahnauffahrten freihalten
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Halten Sie die Autobahnauffahrten und Stellen, an denen sich Spuren treffen oder teilen, frei. Nur so können Rettungsfahrzeuge schnell in die Rettungsgasse zwischen den beiden linken Fahrspuren und damit auch zum Unfallort gelangen.

Erst weiterfahren, wenn sich der Stau löst
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Halten Sie die Rettungsgasse offen, bis sich der Stau endgültig auflöst. Denken Sie daran, dass immer noch weitere Fahrzeuge von der Polizei, dem Notarzt, der Feuerwehr oder dem Abschleppdienst folgen können.

So sieht die Rettungsgasse aus

Es ist ganz einfach und immer gleich: Die Autos ganz links halten ihre Spur und weichen so weit links wie möglich aus. Alle Fahrzeuge rechts von der linken Spur fahren soweit es geht nach rechts – beachten dabei aber, dass der Seitenstreifen befahrbar bleiben muss.

Zwei Fahrspuren
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Autos auf der linken Fahrspur fahren zum linken Fahrbahnrand, die auf der rechten Spur zum rechten. Die Rettungskräfte fahren zwischen beiden hindurch.

Drei Fahrspuren
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Die Rettungsgasse muss zwischen dem linken und dem mittleren Streifen gebildet werden.

Vier Fahrspuren
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Seit Anfang des Jahres 2017 gilt auch hier die sogenannte Rechte-Hand-Regel. Diese besagt, dass die Rettungsgasse wie bei drei Fahrspuren zwischen der äußersten linken Fahrspur (Daumen der rechten Hand, Handfläche nach unten) und der rechts danebenliegenden Spur (Zeigefinger) gebildet wird. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist die Regelung damit für eine beliebige Anzahl Fahrspuren einheitlich und gesetzlich verpflichtend.

Wissenswertes zur Rettungsgasse

Keine Situation ist gleich. Sie als Verkehrsteilnehmer müssen im jeweiligen Moment entscheiden, wie Sie Ihr Fahrzeug am sinnvollsten positionieren, damit eine ausreichend breite Rettungsgasse entsteht. Darum gilt: Halten Sie immer genügend Abstand zu anderen Fahrzeugen – selbst im langsamen Kolonnenverkehr.

Alle Fahrzeuge sollten gerade stehen. So wird der geringe Platz auf der Autobahn am besten genutzt und die Durchfahrt der Einsatzfahrzeuge nicht behindert. Lassen Sie eine Fahrzeuglänge Abstand zum Vordermann, denn so können unaufmerksame Autofahrer ihren Wagen im Notfall noch zu einer Rettungsgasse rangieren.

Mindestens 20 Euro Bußgeld werden fällig, wenn Autofahrer laut Straßenverkehrsordnung „keine freie Gasse zur Durchfahrt von Polizei- oder Hilfsfahrzeugen, obwohl der Verkehr stockte" bilden. Ebenfalls mindestens 20 Euro Bußgeld drohen, wenn Sie nicht sofort den Weg für ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht freimachen. Den Stau auf dem Seitenstreifen zu überholen ist verboten und wird mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt bestraft.

Eine Rettungsgasse ist ausschließlich für Einsatzfahrzeuge gedacht. Das gilt auch für Motorräder. Rechtlich dürfen sie wie alle anderen Verkehrsteilnehmer erst weiterfahren, wenn der Verkehr wieder regulär fließt.

So bildet man die Rettungsgasse in anderen Ländern

Österreich
Österreich

Auch in Österreich gibt es die Pflicht, eine Rettungsgasse zu bilden – mit einem Unterschied: In Österreich sollen Verkehrsteilnehmer auf der rechten Spur so weit wie möglich nach rechts fahren – also gegebenenfalls auch auf den Seitenstreifen.

Schweiz
Schweiz

In der Schweiz sind die Verkehrsteilnehmer ebenfalls verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Weiterhin vorgeschrieben ist: Sollte ein Fahrzeug den Seitenstreifen blockieren, ist etwa 2 Meter vor und hinter dem Hindernis auf der Fahrspur neben dem Seitenstreifen eine Lücke zu lassen.

Niederlande
Niederlande

Hier gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, eine Rettungsgasse zu bilden.

Italien
Italien

Hier gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, eine Rettungsgasse zu bilden.

Frankreich
Frankreich

Hier gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, eine Rettungsgasse zu bilden. Dennoch ist (in irgendeiner Form) durch die Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, dass Einsatzfahrzeuge passieren können.

Spanien
Spanien

Hier gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, eine Rettungsgasse zu bilden. Dennoch ist (in nicht regulierter) durch die Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, dass Einsatzfahrzeuge passieren können.

Deshalb ist die Rettungsgasse so wichtig

Dirk Wenzel

Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Börde

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Es ist jedes Mal belastend, zu wissen, dass da vorne jemand ist, der dich braucht, aber du nicht hinkommst.

Dirk Wenzel
Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Börde

64

Prozent

aller Führerscheinbesitzer in Deutschland wissen nicht, wie eine Rettungsgasse gebildet wird

40

Prozent

Steigerung der Überlebenschance von Unfallopfern durch eine Rettungsgasse

20

Euro

Dieses Bußgeld droht in Deutschland für das Nichtbilden einer Rettungsgasse

726

Euro

So viel hingegen kostet das Nichtbilden einer Rettungsgasse in Österreich

Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft

Landesgruppe Hessen

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Jeder, der schon einmal auf Notarzt oder Feuerwehr warten musste, weiß, dass sich jede Sekunde wie eine Minute anfühlt.

Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft
Landesgruppe Hessen

2.180

Euro

So viel kostet das unerlaubte Befahren der Rettungsgasse und das Blockieren der Einsatzkräfte in Österreich

20 bis 100

Euro

drohen hingegen lediglich in Deutschland

Daniel Schöppe

Brandoberinspektor, Feuerwehr Halle/Saale

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Wir helfen gerne – wenn Sie uns lassen!

Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft,
Landesgruppe Hessen

375

Menschen

starben 2014 bei Unfällen auf deutschen Autobahnen

568.000

Mal

musste 2015 mindestens eine Rettungsgasse auf deutschen Autobahnen gebildet werden

1.100.000

Kilometer

Diese Gesamtlänge ergibt sich durch sämtliche 2015 gemeldeten Staus auf deutschen Autobahnen

40

Prozent

der Autobahnunfälle werden durch zu schnelles Fahren verursacht

Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft

Landesgruppe Hessen

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Wenn auf der Autobahn Stau ist, kann man zu 90 Prozent davon ausgehen, dass sich ein Verkehrsunfall ereignet hat.

Daniel Schöppe
Brandoberinspektor, Feuerwehr Halle/Saale

Bernd Pistorius

Minister für Inneres und Sport, Niedersachsen

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Vor allem bei Staus müssen die Retter schnell durchkommen, da können schon wenige Minuten über Leben und Tod entscheiden!

Bernd Pistorius
Minister für Inneres und Sport, Niedersachsen

Verhalten im Ernstfall

Laut Strafgesetzbuch macht sich strafbar, wer einen Unfall bemerkt, jedoch keinerlei Reaktion zeigt, Hilfe zu leisten. Helfen ist Pflicht und unterlassene Hilfeleistung ist nach §323c StGB strafbar. Wer das nicht beachtet muss mit einer hohen Geldstrafe, Punkten in Flensburg und möglicherweise sogar mit Freiheitsentzug rechnen. Dabei ist Helfen kein Hexenwerk. Doch bedenken Sie: Jeder Notfall ist einzigartig. Diese Punkte helfen Ihnen, richtig zu reagieren, wenn Sie an eine Unfallstelle gelangen: